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Erfahrungsbericht von Paulina

Meine ersten Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit begann ich im Sommer 2015 zu sammeln. Durch die große Präsenz des Themas in den Medien ließ mich das Thema nicht mehr los. Ich war neugierig und wollte die Menschen kennenlernen, die den weiten Weg nach Deutschland auf sich nehmen,  erfahren was sie bewegt, was für Hoffnungen sie haben und wovor sie fliehen. Nach einer kurzen Recherche entschloss ich mich dazu, mich als „Deutschlehrerin“ bei der Initiative DAMF zu engagieren, trotz anfänglicher Bedenken, ob ich dieser Herausforderung gewachsen bin – mit meinen Deutschnoten konnte ich in der Schule selten glänzen-, und ob ich mich vor teils älteren, männlichen Lernenden in der Lehrerposition durchsetzen kann. Die Bedenken waren schnell beseitigt. Ich wurde von einer großen Motivation und Lernbereitschaft empfangen und erhielt den gleichen Respekt, den ich meinen Schülern entgegenbrachte.

Als im August die Erstaufnahmeeinrichtung der Nöthnitzer Straße öffnete, rief die Uni Studenten und Mitarbeitern dazu auf, das DRK zu unterstützen. Ich hatte Zeit, ich wollte helfen. Und plötzlich war ich, wie viele der ersten Helfer,  reingerutscht und verbrachte fast jeden Abend und die Wochenenden in der Einrichtung. Es wurden erste Kontakte geknüpft, Freundschaften entstanden. Die meisten Bewohner konnten sich allerdings nicht verständigen und waren auf Landsleute mit Englischkenntnissen oder rare Dolmetscher des DRK angewiesen, die zu jeder Tag- und Nachtzeit als agieren mussten. So kamen die Wünsche nach Deutschkursen, direkt aus den Reihen der Bewohner. Meine ersten provisorischen Deutschkurse fanden in der Essenshalle mit großen A3-Plakaten, einer lauten Stimme und viel Humor statt. Ich habe mindestens genauso viele Wörter auf Arabisch und Farsi gelernt, wie ich auf Deutsch unterrichtet habe. Nach einiger Zeit hat sich eine Gruppe von Lehrern zusammengesetzt und angefangen, Kurskonzepte zu erarbeiten und sich Initiative für Deutschkurse zu nennen. Das Ziel: feste niveauähnliche Gruppen, feste Lehrer, feste Unterrichtszeiten für die Bewohner von Erstaufnahmeeinrichtungen. Die Herausforderung: eine Erstaufnahme mit 700 Bewohnern verschiedener Nationen, Altersgruppen und Bildungshintergründe, tägliche Transfers der Bewohner aus der Erstaufnahme in ihre neuen Heimatgemeinden und tägliche Ankunft neue Bewohner.

Das große Engagement der Freiwilligen hat trotz aller Hindernisse einen Deutschunterricht möglich gemacht. Doch neben Lehrern und Schülern brauchte es die Organisation von Einstufungstests, Räumen und Materialien, die Vermittlung von engagierten Studenten an Stellen,  wo Hilfe gebraucht wird, die Finanzierung von Materialien und eine Plattform zum Austausch von Erfahrungen. Das wurde zur Hauptaufgabe der „Orga“-Mitglieder von IDA und ist es bis heute. Ich selbst war bis Dezember 2015 aktiv in der Organisation dabei. Inzwischen habe ich mein Studium abgeschlossen und unterstütze IDA neben meiner Arbeit, soweit ich kann mit meiner Erfahrung und bei kleinen organisatorischen Aufgaben.

Die Zeit als Deutschlehrer vermisse ich sehr. Es hat mir viel Spaß gemacht, die deutsche Sprache zu vermitteln. Ich habe sehr viel für mich daraus gelernt und unfassbar viel Dankbarkeit erfahren. Natürlich gibt es beim Unterrichten hin und wieder Schwierigkeiten. Die schnellen und die langsamen Lerner zum Beispiel. Es allen Recht zu machen, ist nicht immer leicht. Mein Tipp dazu: kleine spontane Schreib- oder Auswendiglernübungen für die Schnellen parat haben, die nur leicht von den Standardaufgaben abweichen. So kann man die Schnellen noch eine Weile beschäftigen, während man mit den Langsamen nochmal etwas durchgeht.